Mittwoch, 7. März 2018

Lammleber 'Berliner Art' mit Sauerteig-Zwiebel-Baguette


Es gibt mittlerweile so viele Beiträge mit fern angebautem 'Superfood' wie Acaibeere oder Matcha, Avocados werden schon seit Wochen gehyped und sind auch überall zu bekommen. Auch ansonsten sind wir sehr verwöhnt: Thunfisch aus Japan, exotische Früchte wie Mangos, oder Erdbeeren im Februar? Alles kein Problem!




Auch ich probiere Trends aus, denn natürlich bin ich neugierig auf neue Geschmäcker, Produkte, Kulturen. Ich liebe es, mir neue Techniken und Zubereitungsarten anzueignen und mittlerweile glaube ich, dass das eine Lebensaufgabe sein kann.

Aber das sind letztendlich immer nur Ausflüge (mal länger, mal kürzer) in spannende, ferne Welten. Kulinarisch komme ich nach solchen Expeditionen regelmäßig wieder zurück zu Gerichten, die ich 'root-dishes' nenne: Essen, welches uns zu unseren Wurzeln zurückführt. Und diese liegen weder in Japan noch in Indien oder Afrika, sondern zu Hause, vor unserer Tür.

Die Zutaten für diese Gerichte sind für mich das echte Superfood! Denn warum in der Ferne nach heilbringenden exotischen Zutaten suchen, wenn das Gute so nahe liegt, frisch und vollgepackt ist mit allem, was schon Generationen vor mir gesund durch das Leben gebracht hat?

Überall wird sich beschwert, dass es in Deutschland keine Esskultur geben würde. 
 Ich sage: Das stimmt nicht! Geh mal auf den Markt!



Auf unseren Wochenmärkten finde ich frische, hochwertige Produkte, die nicht um die halbe Welt geflogen, sondern lokal hergestellt wurden und oft auch Saison haben. Hergestellt werden sie von jenen Leuten, die sie auch verkaufen, das bedeutet: Kurze Transportwege, keine Zwischenhändler. Der beste Garant für Qualität!

Und nicht nur der Körper wird versorgt, auch die Laune steigt bei solchen Marktbesuchen. Denn man begrüßt und unterhält sich: Mit Händlern, Verkäufern, anderen Marktbesuchern. 
Man erfährt, warum die Zwiebeln etwas kleiner sind als normalerweise, dass der passionierte Schäfer irgendwann früher einmal Banker war, und was das beste Rezept für die gerade erworbenen Schweineohren ist. Und so gehe ich nach Hause, reich an Lebensmitteln für die kommende Woche, aber auch voller Ideen für neue Gerichte und einem fröhlichen Lied auf den Lippen.

Die Zutaten für das heutige Wurzel-Gericht habe ich allesamt vom Markt: Die Lammleber von dem Schäfer der früher einmal Banker war, und jetzt plant, im Sommer ein ganzes Schaf im Erdloch zu garen, die Äpfel von dem Obstbauern, der hofft, dass die Bäume dieses Jahr von spätem Frost verschont bleiben, die Zwiebeln von der Kartoffelbäuerin, die auch Zwiebeln anbaut, denn die Öle vertreiben Schädlinge.

Und natürlich dieses wunderbar dichte Roggen-Sauerteigbrot mit Zwiebeln, im Holzofen gebacken, welches noch nach etwas schmeckt und nicht nur satt, sondern auch zufrieden macht.



 Vielleicht liest du das jetzt und schaust sofort, wann in deiner Nähe der nächste Markt ist. Vielleicht denkst du aber auch, dass Essen vom Markt zu teuer ist und du dir es nicht leisten kannst. Dazu sei gesagt, dass dieses Essen, welches für 4 Portionen ausreichte, umgerechnet knapp 3,50 Euro pro Person kostete. 

Freund und ich sparen sogar, seit wir die großen Discounter überwiegend meiden: Etwa 150 Euro im Monat. Und wir essen vielfältiger als jemals zuvor. Wichtig ist natürlich, zu schauen, was Saison hat, aber das ist eh das, was am besten schmeckt und den Körper wirklich auch nährt, weil es auf dem Höhepunkt seiner Kraft geerntet wurde und vollgepackt ist mit allem , was der Körper braucht.

Probiere es doch aus und berichte mir von deinen Erfahrungen! Aber mach sie selber und höre nicht auf Gerüchte, 'sayings' und die Urteile anderer. Sicher, es mag ungewohnt sein, mit Händlern zu reden, nicht anonym zu stöbern und sich stattdessen neu zu orientieren. Aber was hast du denn zu verlieren? Und was zu gewinnen?

Mir hat neulich jemand gesagt: " Irgendwann kannst du aber nicht mehr alles anders machen als andere und auf diese Märkte gehen und mit so komischen Zutaten kochen!"

Ich antwortete: "Ich muss es sogar 'anders machen'als es zur Zeit 'normal' ist. Um gesund zu bleiben. Geistig und körperlich. Mach doch mit!, dann sind wir schon zwei und irgendwann ist das 'anders' vielleicht die Regel!"

Wir sehen uns nun immer Samstags.
 Auf dem Markt.


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Lammleber "Berliner Art"

(Für 2 sehr hungrige oder 4 hungrige Esser)

400g Lammleber, geputzt und in Stückchen geschnitten.
4 große Zwiebeln
2 große Äpfel
50ml weißer Portwein

30g Butter
3 Zweige Thymian gehackt

Salz, Pfeffer.

1 Zwiebelbaguette


Zubereitung:
  1. Die Zwiebeln schälen und fein hacken. von den Äpfeln das Kerngehäuse entfernen und in Stückchen schneiden.
  2. Zwiebeln und Äpfel mit Butter in einer Pfanne anbraten, bis die Zwiebeln glasig sind und die Äpfel karamellisieren.
  3. Thymian und Leber hinzugeben, etwa 3 Minuten scharf anbraten.
  4. Mit Portwein ablöschen, kurz einköcheln lassen.
  5. Mit Salz und Pfeffer würzen und zusammen mit dem Baguette servieren.

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Deine Wren

Kommentare:

  1. Man kann Schweineohren essen????
    Ich kenne die nur als Belohnungsfutter für unsere Hofhunde, das sie immer dann bekommen, wenn der Bekannte meiner Eltern schlachtet. :D

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  2. Ich weiß noch, vor ein paar Jahren, als mich noch jeder ausgelacht hat, dass ich selber Brot backe. "Das kann man doch überall so günstig kaufen, wozu die Arbeit??" - Ha, heute sind sie froh, wenn sie mal ein GUTES Brot von mir bekommen (soll nicht eingebildet klingen).
    Ich achte schon auf regionale Herkunft aller Produkte, die ich kaufe. Wozu brauchen wir den Kartoffeln aus Ägypten? Und Erdbeeren aus Spanien im Jänner, die eh nach nichts schmecken und maximal auf guten Geruch gezüchtet wurden. Am meisten weh tun mir die Pfifferlinge im Supermarkt, bei denen eine Hand voll 10€ kostet und die nach nichts riechen. Im Wald bekommt man so leckere Pfifferlinge, und die kommen nicht aus Bulgarien!
    Ich mache natürlich auch Ausnahmen. Bananen zum Beispiel. Die mag ich einfach gerne, und die wachsen bei uns nicht. Und ich bin ein Fan von Chlorella in Green Smoothies. Das ist ein kleines Wunderwerk an positiven Inhaltsstoffen und gibt mir morgens einen schönen Energiekick, besser als jeder Kaffee.
    Aber alles was es bei uns auch gibt, kaufe ich sicher nicht von irgendwoher. Neulich hab ich hier Birnen aus Indien gesehen. Warum???
    glg
    Greta

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