Freitag, 25. August 2017

Codzienny Wróbel (der tägliche Spatz) - Warum man in Polen besser Gesund ist


Hiho Liebe Leser,

Trotz mieser Internetverbindung melde ich mich frisch erholt zur Urlaubshalbzeit aus Danzig, oder, auf Polnisch: Gdansk. Darum zur Zeit der tägliche Spatz, den Gdansk ist voll von diesen cleveren Viechern.

Seit Montag sind wir hier und bis nächsten Mittwoch bleiben wir. Bevor ich in späteren Posts auf die Schönheit der Gegend, den krassen Spezialitäten und das gewaltige Erholungspotential eingehe möchte ich euch den Ratschlag geben, besser nicht krank zu werden, wenn ihr in Polen seid. Warum?

Nun. Ich hatte nach 18 Stunden Busfahrt in Verbindung mit echt ekligen Klos auf der Strecke (es ist mir echt ein Rätsel, wie Leute NEBEN die Toilette Schei*en können) und daraus folgend wenig Flüssigkeitszufuhr (wer nicht viel trinkt muss nicht viel aufs Klo) eine Blasenentzündung entwickelt, die Dienstag etwas fies wurde.

Krankenkassenkarte hatte ich mit, DAS war kein Problem, aber das polnische Gesundheitssystem, DAS ist ein Problem. 
Was ich nicht wusste. 
 
Ich gehe also mit Freund um Punkt 8.00 in eine nahezu leere Gemeinschaftspraxis. Ich habe Schmerzen, mir geht es schlecht und sehe auch nicht gut aus. Die schlecht gelaunte Praxishilfe blickt von ihrer Fingernagellackiertätigkeit auf, nimmt meine Karte und sagt ganz seelenruhig, ich solle Morgen  um 9 wiederkommen. Freund pocht auf den Akutfall, doch die Arzthilfe guckt nichtmal in ihre Unterlagen und zuckt gelangweilt mit den Schultern. Es wäre nichts mehr frei. 
FREUND erklärt mir, dass das leider normal wäre, da diese Leute feste Arbeitsplätze haben aus denen sie nicht gefeuert werden können und kein Interesse für Einzelpersonen.
Unmenschlicher bin ich noch nicht behandelt worden. 
Krass.

So langsam dämmert mir, warum man Ibuprofen und Paracetamol, neben Kaugummis und Snickers, in jedem Supermarkt für nen Euro an der Kasse kaufen kann und jeder zweiter Werbespot im TV sich um ein rezeptfreies Medikament dreht.

 Die Leute behandeln sich lieber selber, als zum Arzt zu gehen.
Das bestätigt mir auch der äußerst kommunikative, halb holländische Pole, der sich, zusammen mit 5 anderen Leuten, neugierig zu uns stellt, als sich in der Apotheke rausstellt dass da ein Ausländer versucht ein Medikament zu erstehen. Das war nämlich unsere zweite Anlaufsstation, während FREUNDS Schwester Bussard versuchte, in einer Praxis im Umkreis um kurz nach acht morgens einen Termin für denselben Tag zu bekommen. Und Leute, wir reden hier vom HAUSARZT, ich wollte nicht zum Psychologen oder Zahnarzt oder so.

In der Apotheke erhalte ich, rezeptfrei, ein Antibiotikum. Die Verbreitung von Resistenzen ist für mich nun kein Wunder mehr, denn bei dem Mittel handelt es sich um ein Reserveantibiotikum, welches zudem krasse Nebenwirkungen in der Häufig-Kategorie hat, weswegen es nur in Notfällen angewendet werden sollte aber hier als Standard für  leichte Blasenentzündungen ohne Rezept offeriert wird. Genommen habe ich es nicht, denn es ist kontrainduziert mit Asthma. Die nette Apothekerin meinte ich solle nur Vitamin C dazu nehmen, dann ginge das schon (Säure-Basen-Bullshit). Soviel dazu.

Bussard schaffte es schließlich, mir um 15.00 einen Termin bei einem Arzt zu besorgen.
Die dort ansässige Ärztin war recht großmütterlich lieb, sehr gechillt und meinte zwar, ich könne mit ihr Deutsch reden, unterhielt sich dann aber nur mit Freund. Nachdem die medizinischen Entscheidungen in 5 Minuten geklärt waren, drehten sich die Themen um Familie, schöne Orte in der Gegend und wo wir so herkommen.
 Joa. nett.

Rausgegangen ging ich mit einem weiteren Reserveantibiotikum in einer Dosierung die auch Milzbrand weggekillt hätte (wogegen das Medikament im Übrigen auch wirkt).
Ich schlucke jetzt also 5 Tage 2mal täglich dieses Medikament welches immerhin super für Asthmatiker ist, aber eigentlich nur an schwer Kranke gehen sollte und das zweitstärkste Antibiotikum auf dem Markt ist.
  Ich muss zugeben, dass die Wirkung beeindruckend war: Am Abend schluckte ich die erste Pille, am nächsten Mittag waren die Symptome der Blasenentzündung fast weg und meine laufende Nase sowie mein Husten komplett Geschichte. Und da das Antibiotikum gegen  Lungenzeug, Magendarmshit, Salmonellen und Hirnhautentzündungen wirkt, könnte ich vermutlich bei 30°Celsius, munter mayo-Nudelsalat essend durch den Wald robben und mich an öffentlichen Klos schubbern ohne dass mir was passiert.

Doof: Kein Alkohol während der Einnahme und das Zeug macht UV-Strahlen-empfindlich. Also kein Sonnen am Strand.
So im Strandurlaub.
Meh.

Aber nur noch bis Sonntag.

Hoffen wir, das Wetter spielt mit!

*Tüdelüüü*
Wren



1 Kommentar:

  1. Du arme, das klingt ja wirklich abendteuerlich! Ähnliches habe ich vor einigen Jahren mal in Ungarn erlebt. Hier einen Arzt zu finden, ist schon schwierig! Aber einen der, einen auch noch behandelt noch schwieriger, denn ohne Bestechung läuft hier gar nichts...
    Gute Besserung und hoffentlich kannst du den Urlaub dann nun richtig genießen, jetzt wo du gegen nahezu alle Arten von Bakterien geschützt bist ;-)

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