Montag, 13. März 2017

Nie wieder unbeschwert Genießen? Warum ausgerechnet ICH?


Skinny?

Du stehst an der Kasse. 
Schon vor einiger Zeit hast du dir vorgenommen, dich gesünder zu ernähren, fitter zu werden, vielleicht ein paar kg abzunehmen. Die große Motivation, die dich wie auf Flügeln durch die ersten Wochen trug, ist langsam abgeflaut. Vielleicht läuft es auch nicht ganz so, wie du es dir vorgestellt hast.
Jedenfalls fällt dir plötzlich vor dir in der Schlange diese gertenschlanke Frau auf. Und was da alles auf dem Band liegt: Schokolade, der dicke Schinken, Eis, oder die Südfrüchte die du gerade nicht isst. Setze hier einfach das ein, worauf du im Moment verzichtest.
Du siehst das, blickst auf deinen eigenen Einkauf und spürst wie dieses Gefühl in dir hochkriecht, wie ein zäher, bitterer Sirup. Eine Mischung aus Ungerechtigkeit, Trauer und etwas Selbstmitleid manifestiert sich in deinem Kopf:

„ Werde ich NIE Wieder unbeschwert einkaufen und Essen können? Nie wieder Genuss? Immer zählen, immer kontrollieren, warum ICH?“



STOPP!

An dieser Stelle frage dich mal: WAS ist für dich eigentlich Genuss?
Genuss bedeutet, laut Definition, sich auf etwas zu Fokussieren, es mit allen Sinnen wahrzunehmen und daraus Freude zu ziehen.

Machst du das? Beim Einkaufen? Beim Essen? Ist es wirklich der GENUSS oder die Unbeschwertheit die du vermisst?

Oder doch viel mehr die Gewohnheit?

Gewohnheiten sind mächtig.

Ich kann dir sagen, bei mir war es die Gewohnheit: Ich habe beim Einkaufen Dinge in den Korb gepackt, ohne lange darüber nachzudenken, Sachen, die ich immer aß, die ich kannte und mochte, die ich gewohnt war.

Zu Hause habe ich viel nebenbei gegessen, beim Zocken, beim Fernsehen, beim Lesen was geknabbert.

Als ich dann meine Ernährung änderte, darauf achtete, was ich einkaufte und mich auf das Essen konzentrierte, das ich aß, wurde ich irgendwann bockig, mir kam so ein Gedanke wie oben formuliert und ich tat mir selber schrecklich leid.

Bockig?

Warum? 
Nun, Gewohnheiten zu ändern IST einfach Unbequem. Aber ich vermisste nicht wirklich den GENUSS des Eisbechers beim Fernsehen, sondern die Gewohnheit beim Fernsehen etwas zu essen.
Ich wollte wieder zurück zum Altbekannten, zum Automatisierten, zum Gewohnten das mir Sicherheit gab und Gefühle die ich kannte.

Im Umkehrschluss hatte ich bei meinem neuen Einkaufsverhalten natürlich das Gefühl der ständigen Kontrolle, des genussfeindlichen "Müssens". Und die Frage, ob das IMMER so ist und so sein wird.

Die Antwort lautet klar: NEIN!

Ich verspreche dir: Sobald du dein neues Verhalten integriert hast, was dauern kann, jahrelange Gewohnheiten schleifen sich nicht in Wochen ab, wird es dir so natürlich und frei und genussvoll erscheinen wie dein altes Verhalten. Die Unbeschwertheit kehrt zurück und auch die Leichtigkeit.
Und der Genuss

Unbeschwert

Bis dahin sieh die positiven Dinge, die deine neue Gewohnheit mit sich bringt (denn dafür hast du sie doch begonnen oder?) statt den Weg des Leidens. Und selbst, wenn du wieder der alten Gewohnheit nachhängst, sei nicht zu hart zu dir selbst, starte einfach wieder neu. Es ist DEIN Weg und die Türen kannst du so oft öffnen und schließen, wie du magst. Es geht darum dass du dich gut fühlst, du musst niemandem etwas beweisen.



Ich kann dir sagen, ja, ich esse auch mal Schokolade, Fastfood, Burger und Co. Aber mit Genuss, der Aufmerksamkeit auf das was ich esse und auch ohne schlechtes Gewissen. Dadurch , dass ich das ehemals Begehrte aus seinem Kontext des Verbotenen und Ersehnten herausnehme, verliert es seinen Zauber und wird zu einem Teil einer genussvollen, ausgewogenen Ernährung.
Nicht mehr und nicht weniger.

Die Bilder die du siehst, stammen aus der Origamiausstellung des Mathematikums Gießen. Auch beim Origamifalten ist Fokus auf das was du tust sehr wichtig und so entsteht etwas Schönes.

Deine Wren

Kommentare:

  1. Ich würde Dir gern von Herzen zustimmen ... aber ich fürchte, dass es bei mir nie zutreffen wird.

    Ne, ne, das wird mein Leben lang "es ist kompliziert" sein. :) Schade, aber nichts, was mich umbringen wird. Es MUSS ja auch nicht einfach sein. Es KANN kompliziert, schambehaftet und ein ewiger Kampf sein. Gewohnheiten können schon lange gefestigt und deswegen trotzdem nicht besonders angenehm sein. Notwendig eben.
    Süßigkeiten können für immer mit einer Prise Schuld gewürzt sein - das macht sie nicht schlechter. :) Denn dadurch bleibt man wachsam und bewusst. Das ist doch auch was Feines?

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  2. Mhh ich versteh, was du meinst, stimme dir zu und ich denke es kommt immer auch auf die "Taktik" an die man so verfolgt um Dinge zu erreichen. Wenn Schuld in dem Sinne und Kompliziertheit dich wachmachen und motivieren, dann ist das ja ne wirklich gute Sache, aber dann nutzt du sie ja auch als Werkzeuge um am ball zu bleiben und bist nicht unbedingt verzweifelt darum:). Viele Menschen demotiviert jedoch der Gedanke an "nie wieder Genuss" und sie geben auf und verurteilen sich selber noch dabei, machen sich runter. Da hilft die Aussicht, dass es besser wird:). Ich gehöre zu dieser Art Menschen, die von Zwang und Eintönigkeit deprimiert sind, selbst wenn das erwatete Endergebnis toll sein mag.

    "Es ist kompliziert" kann eine große Triebfeder sein, aber es geht auch genauso gut anders, wenn diese Triebfeder zum Gefängnids wird:)

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  3. Schöne wahre Worte!
    Ich lasse mal liebe Grüße da - aus Marburg von einer unbekannten Artverwandten. ;)

    Alles Liebe,
    die KaosHexe / Tonia

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    1. Bedankt!
      Na Marburg, das liegt ja quasi ums Eck:DDa linse ich mal auf deine Seite,

      Alles Liebe,
      Die Wren

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