Mittwoch, 11. Januar 2017

Tee-Tee und die Mensa-Amsel

Eine der zahlreichen Mensaamseln, welche sich hoffnungsvoll und maximal aufgeplüscht auf Bänken niederlassen, wo Studenten vielversprechendes Gebäck verzehren.

Hängt man den ganzen Tag auf seinem Arbeitsplatz ab, wird man nicht nur hungrig, sondern auch  durstig. Zum Glück versorgen die zahlreichen Bistros und Mensen auf unserem Campus ganzjährig die  vertrockneten Studenten neben gutem Essen auch mit kalten und warmen Getränken. Im Sommer ist Wasser mit Medium-Blub der Renner, im Winter Chai-Tee, und zwar der ECHTE Tee, nicht dieses Zuckersirupzeug für 5 Euro das Glas und Diabetes-Freifahrtschein. Und so trabe auch ich mehrmals täglich zur "CUbar", dem Bistro am Philosophikum, um mir einen Becher Gewürztee abzuholen. In Gedanken bin ich dann schon oft bei der nächsten Vorlesung, oder zu Hause, je nachdem wie spät es ist, wie früh ich aufgestanden bin oder wie spät am Abend vorher in die Federn, man kennt das ja.

Jedenfalls, es war spät, es war Abends, und der Tag vorbei. Ab nach Hause, aber vorher noch ein Chai!
Ich stehe an der Theke, automatisch erklingt mein: " Einen Chai-Tee im Becher (Glas kostet 1 Euro Pfand) bitte", begleitet vom "tüdüt" meiner Studentenkarte auf der Abbuchfläche. Ob ich  meinen Bus noch erreiche?

"Soso, Sie wollen also einen TEE-TEE?"


Meine grauen Zellen, die schon fleißig am auschecken waren, drehen sich irritiert um. Noch ist die Kommandozentrale aber nicht wieder voll besetzt.

"Ne. einen CHAI-TEE ...bitte?!"

Die Verkäuferin strahlt mich an

"Ja, einen TEE-TEE!"

Irritation meinerseits: "Ähm"

Die nette Dame vor mir lupft einen Becher vom Stapel:
"Ja in Afghanistan  wo ich her komme heißt "Chai" einfach Tee, also ist es ein Tee-Tee!"
Ich weiß nicht , wie diese Leute es schaffen, nach einer langen Schicht noch so gut gelaunt zu sein und jedem Studenten das Gefühl zu geben, mehr als nur eine Nummer im System zu sein. Aber es wirkt: Meine Müdigkeit  ist wie weggeblasen und es entspinnt sich ein kurzes, aber interessantes Gespräch über Gewürze, guten  Mokka und der Notwendigkeit von Milch im Chai.

Einfach so. Toll.

Gut gelaunt, mit warmen Herzen und Händen, setze ich mich auf eine der Bänke vor dem Philosophikum und werfe einer der zahlreichen Mensa-Amseln, die zu dieser Jahreszeit aussehen wie kleine schwarze Bälle, mein letztes Stück Paprika hin.

Glücklich fliegt Sie mit ihrer Beute im Schnabel davon.

Manchmal sind es einfach die kleinen Dinge.

Wren








Kommentare:

  1. Was ein maximal niedliches Foto vom Herrn Amsler!
    Sind die echt so zutraulich oder hast Du ein großes Objektiv benutzt?

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    1. Huhu:D, Ne die sind wirklich fast zahm. Hat mich zuerst etwas beunruhigt, weil ich gedacht habe dass das nicht normal ist und die vielleicht irgendeine Vogelspezifische Tollwut oder so haben. Ich glaube bei 13.000 Studenten auf dem Campus verlieren die aber einfach die Scheu:D

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  2. Ich fände es schön, wenn ein solcher Blog genutzt würde, um Werbung für Getränke in der Tasse zu machen und nicht die Becher hervorheben würde, die, meiner Meinung nach in einer umweltbewussten Uni ohnehin nichts verloren haben.
    Liebe Grüße

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    1. Da hast du natürlich recht und gerade für ehrliche Kommentare schätze ich diesen Blog:), Grundsätzlich bin ich auch ein Freund der Tassen und insbesondere der Henkel-Gläser der CUbar, allerdings, verwende ich Gläser für meinen Chai auf den Weg nach Hause,schleppe ich die Tassen mit, stelle die dann zu Hause ab und vergesse, sie wieder mitzunehmen. Die Becher erscheinen mir praktischer, sie sindnicht schwer und ich verschütte nichts beim Laufen aufgrund des Deckels. Werden die Pappbecher nicht auch recycled? Irgendwie hatte ich das angenommen.

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