Samstag, 1. Oktober 2016

Street Food Tour Gießen - Von Inspiration, Regionalität und Kochen mit Herz



Foodtrucks. Ein unglaublicher Trend. Kochen on the Road. Und jetzt auch in meiner Studiumsstadt Gießen! Keine Frage, dass ich mit FREUND da hin musste um mich von Streetfoodköchen inspirieren zu lassen! Und so düsten FREUND und ich heute Morgen los und auch das herbstliche Wetter konnte uns nicht schocken!

Wir haben uns fleißig durchprobiert, soweit unsere Mägen uns trugen, und lobend sei zu Erwähnen: Alle Anbieter achten auf Qualität und regionale Produkte und die Preise sind sehr fair!

Eines muss allerdings gleich vorneweg gesagt werden: Für Low Carb- Freunde ist so ein Festival nichts: Burgerbuns und Teigkreationen wohin man schaut. Liegt es an der Einfachheit, dem Preis oder der Praktikabilität für Fingerfood? Oder gar am fehlenden Mut, Neues anzubieten? Fast könnte der Eindruck entstehen, denn locker die Hälfte der Foodtrucks bot das momentane absolute Trendfood schlechthin an: Pulled Pork/Turkey/Beef. Natürlich zwischen zwei Weißbrothälften.
 Narf.


Ich bin schon am überlegen, ob ich mich dahingehend nochmal bei den Trucks durchteste. Denn, lieber Leser: "PULLED irgendwas" ZART zu bekommen ist nicht die Kunst, zart wird Fleisch eigentlich immer wenn man es lange gart. Der Trick ist, eine gute Sauce und raffinierte Beilagen dazu  zu kreieren, die den Fleischgeschmack ergänzen und die Mahlzeit abrunden. Nur auf den Pulled-Train aufzuspringen und das Fleisch zwischen zwei Burgerbrötchen zu packen  is nix.

FREUND und ich hatten also die Qual der Wahl was Pulled Meat anging. Rangetraut haben wir uns letztendlich an den Truck von Wild Smoker, den die bieten Wildes in verschiedenen Variationen an. Und uns begeisterte das Pulled Deer:



 Welches dann so aussah:


Das Fleisch hatte eine Topqualität, das war leicht rauszuschmecken. Leider hatten aber sowohl die Soße als auch der Krautsalat etwas wenig Pfiff und bildetete, zusammen mit den Weißbrothälften eine magere Plattform für das tolle Fleisch aus der Region. Leute! gebt dem Hirsch ne Wiese! Kräuter an den Salat, Piment und rote Beeren an die Soße und am besten noch ein paar knusprige, selbstgemachte Rötzwiebeln oben druff, das wärs. Und für die Glutenintoleranten und Low Carber vielleicht eine Alternativbeilage, das wäre ein Traum. Weg vom Burgerbun, traut euch!

Als Nächstes hielten wir an diesem Schild, hier wurde Singhalesisches Soulfood versprochen. Und bei so vielen Herzchen kann man ja nur gute Laune kriegen.



Der Kokospfannkuchen machte mich neugierig, und so orderten wir eine Portion:


Ich muss ganz ehrlich sagen: Dieses Gericht war mein Highlight heute. Der Ausdruck Soulfood trifft es genau, denn die gelungene Kombi aus dem cremigen Kartoffelcurry mit vielen Gewürzen und dem aromatischen Dip mit Kokos und frischer Petersilie macht sofort glücklich und ist ein echtes Geschmackserlebnis. Für Mutige gibt es noch die selbstgemachte scharfe Soße, die auch sehr lecker ist, aber einen heftigen Nachbrenner hat. Aber gut, vielleicht ist mein deutscher Gaumen auch nur etwas empfindlich. Schön wäre noch eine optische Aufwertung der Pfannkuchen, zum Beispiel mit schwarzem Sesam oder eingebackenen Kräutern.


Nach so viel Deftigem war Nachtischzeit. Wir vermeiden ja normalerweise Zuckriges, aber bei zwei Gerichten mussten wir aufgrund der guten Qualität der Zutaten einfach mal zulangen.
Am Stand von "Knödelkönig- Südtiroler Spezialitäten" zogen uns die Apfel-Feigen- Nusstaschen mit selbstgemachten Apfelmus geradezu magisch an. Das Konzept von Knödelkönig ist mit allerlei herzhaften Knödelrezepten a la Omi eine wirklich erfrischende Abwechslung zu den ewigen Burgern auf dem Festival. Auf eine hohe Qualität der Zutaten wird hier viel Wert gelegt und das schmeckt man, auch bei den süßen Taschen:




Das sieht doch fast aus wie Yin und Yang auf dem Teller, oder? Gekrönt wird das Gericht übrigens von einem essbaren Blümchen, also quasi das kulinarische Pendant zum Blumenstrauß auf dem Mittagstisch. Das Gericht ist auch sonst sehr rund und hat eine tolle Kombination von herzhaft und fruchtig, knusprig und weich, ein echtes Herbstessen. Der Apfelmus war selbstgemacht und nicht zu süß, die Füllung der Tasche ein Traum. Leute, wenn ihr den Knödelkönig wo seht bei euch in der Nähe, rennt sofort hin und holt euch Futter für Herz und Seele: Denn auch die Menschen hinter der Foodtruckklappe sind sehr herzlich so dass man sich sofort wohl fühlt und gernst verweilt. Vielleicht gibt es bald (bittebitte) eine Low Carb- Version eines Gerichtes? Ich helfe auch gerne beim Entwickeln:).



Dieses Bild gab es ja schon oben. Na, was is das?
Ich helfe euch mal: Wir sind hier beim "Mellow Van", und hier gibt es Marshmallows. 
Warum wir hier stoppten? Nun, diese Mallows sind keineswegs gewöhnlich sondern heiß und kalt zugleich, was ein unglaublich krasses Mundgefühl erzeugt und zudem recht spektakulär zubereitet wird. Vor dem Essen wird der tiefgekühlten Kombi nämlich ordentlich eingeheizt. Lagerfeuerromantik pur!


Beißt man nun in so einen Kubus hinein, trifft der Gaumen zunächst auf den fluffigwarm-süßen Marshmallow, nur um danach auf eine dünne Schicht feinster fair-trade Schokolade zu stoßen. Dann wird es kalt. Und Erfrischend. Denn der Kern ist ein selbstgemachtes Fruchtsorbet, welches geschmackvoll und überraschend wenig süß ist, was im Kontrast zum Marshmallow sehr angenehm ist. In dem Sorbet stecken Früchte und Gewürze, was den Zucker überflüssig werden lässt, was wie ich finde, ein toller Ansatz ist. Toll!


Als Fazit lässt sich also sagen: Das Festival strotzt von Herzblut für die eigene Sache und Liebe zum Essen. Die Atmosphäre  ist definitiv besonders, die Menschen herzlich und weitestgehend aufgeschlossen. Was ich mir noch mehr wünschen würde, wäre mehr Mut für Gerichte jenseits des Bekannten, noch mehr Experimentierfreude und vor allem eine größere Auswahl für all diejenigen, die auf Getreide und Kohlenhydrate verzichten wollen oder müssen.

Die Wren

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