Donnerstag, 20. Oktober 2016

Mysterium Minihaxe, geheimnisvoll umwölkt vom Apfelmus


Wenn man krank ist, soll man gut speisen. So heißt es und so habe ich es gelernt.
 Als jemand, der -unter mittlerweile, zum Glück, nur noch mäßigen Schmerzen-  momentan einen nicht unbeträchtlichen Teil des Tages mehr oder minder in der Horizontalen verbringt, kann ich wohl mit Fug und Recht von mir behaupten, das Kriterium "krank" zu erfüllen. Den Rest des Tages verbringe ich im Übrigen mit Spazieren, denn sitzen und stehen mag mein Rücken garnicht. Spazieren hingegen, das ist gut. Und Liegen, dann aber bitte nur in Rückenlage. Alles andere wird mit elektroschockartigen Schmerzen quittiert. Ich habe also die Wahl zwischen weitestgehend schmerzfrei, dafür verspannt, oder verspannt auf dem persönlichen elektrischen Stuhl.
Da spaziere ich doch lieber.
Und wenn ich schon sitze, esse ich nach Möglichkeit gleich etwas.
Und da langes Sitzen nicht möglich ist, sollte das Essen nicht zu lange dauern.

Nicht, dass das ein Problem wäre. 
 Von Kindesbeinen an habe ich gelernt: Wer schneller isst, kann mehr (von dem besten Zeug) nachnehmen. Schon bald meisterte ich diese Disziplin und war von der Essgeschwindigkeit gleichauf mit meinem Stiefvater, was zu regelmäßigen Schlachten um das letzte Cevapcici oder die letzte Bulette führte.
Heute genieße ich mein Essen zwar sehr gerne (außerdem isst FREUND sehr viel  langsamer als ich, kein Futterneid also), aber ich kann nicht leugnen, dass die Fähigkeit, Essen schnell (aber appetitlich!) zu "Inhalieren" ein Vorteil sein kann wenn alternativ fiese Schmerzen des Todes drohen (du merkst schon, ich neige etwas zur Dramatik).

Das aber nur am Rande, denn ich schweife ab.
Eigentlich geht es heute um die Haxe.


Denn nachdem ich mich die letzten Tage überwiegend von Gemüse und Käse ernährt habe, stand mir heute der Sinn nach was Deftigem.

Also spazierte ich los, zum Metzger meines Vetrauens. Dieser hat nämlich neben rohem Fleisch immer auch schon warm Gebratenes, natürlich frisch.
Da gibt es immer allerlei: Leberkäse, Hühnerschenkel, Buletten, Bauchspeck. Und eben auch Haxe. Und passend dazu, für Leute mit eher kleinerem Hunger: die Minihaxe.

So eine kam dann auch mit, denn in meinem Kopf passte sie überaus gut zu meinem selbstgemachten Apfelmus und dem ebenfalls selbstgemachten Rotkraut. Eine Miniportion Herbst und Zufriedenheit also. Kurz: Perfekt.

Als dann schließlich der Teller vor mir stand und ich mit nicht unerheblicher Zufriedenheit in das saftige Fleisch biss, überfiel mich plötzlich ein Gedanke:

Woher kommen die eigentlich, die Minihaxen? 

Dabei muss ich betonen, dass mich die tatsächliche Herkunft weniger interessiert als der Gedankengang drumherum.Und der war sehr zufriedenstellend:

Wäre das nicht niedlich:

 So ein Schwein hat ja fix 200 kg, aber vielleicht gibt es ja eine Mini-Fleisch-Rasse. So Minischweine mit 20 kg, welche auf klitzekleinen Höfen in klitzkleinen Ställen (Wo sie dennoch genug Platz hätten natürlich) auf ihren winzigen Beinen umhertippeln und natürlich auch Hochfrequent grunzen. In der näheren Umgebung wohnten nur Rentner -denn das Gehör nimmt ja für die hohen Töne mit zunehmenden Alter ab-, die das Grunzen nicht stört. Und jeden Tag geht der Bauer mit seinen Minischweinen im Wald spazieren. Dort fressen sie Eicheln und Pilze und sind glücklich und zufrieden. Im vierten oder fünften Herbst schließlich folgen sie ihrer Bestimmung, denn Nutztier bleibt Nutztier, und die Haxe landet auf meinem Teller.

Die Realität sieht vermutlich so aus, dass Ferkel ǵeschlachtet werden, aber auch damit bin ich ok, solange es nicht der krasse Massntierhaltungsbetrieb ist. Denn wer Fleisch isst, darf sich keine Illusionen machen dass da halt ein Tier für stirbt, so oder so.

Ich  jedenfalls habe damit kein Problem: andere Tiere essen auch andere Tiere und da gibt es, mit verlaub, keine Richtlinien zur schonenenden Tötung (jeder Katzenbesitzer weiß was ichmeine;)) wie in unseren Betrieben. Ich habe mir das mal angeschaut und esse seit dem noch beruhigter mein Steak.  Im Herbst wenn es geht mit selbstgemachtem Apfelmus.

(Apfelmus: 2 kg saure Äpfel, Zimtstange, 3 Nelken,  3 Tl Zitronensaft, Xucker nach Wahl, Wasser, saubere Schraubgläser mit Deckel)
(Äpfel vierteln und schälen, mit Zitronensaft und etwas Wasser in einem Topf geben, aufkochen und die übrigen Zutaten dazugeben. Etwa 40 Minuten bei mittlerer Hitze Kochen lassen. Gläser und Deckel 10 Minuten in kochendem Wasser sterilisieren, Zimtstangen aus dem Mus entfernen. Masse in die Gläser füllen, Deckel aufschrauben und das Glas 15 Minuten auf den Kopf stellen. Danach umdrehen und auskühlen lassen)


 
 Mach es dir schön!
Deine Wren




Kommentare:

  1. Ich komme ja "vom Land" und habe deshalb schon als Kind gesehen, wie unsere Ziegen (meist die Jungböcke) geschlachtet wurden. Das hat mich tatsächlich nicht zum Vegetarismus gebracht. Mir geht es nur um die Haltungsbedingungen beim "Industriefleisch". Und da ich nicht das Geld habe, mir immer beim örtlichen Metzger (der, den ich eben auch vom Ziegenschlachten kenne) Fleisch aus ortsnaher, tiergerechter Aufzucht zu kaufen, esse ich eben vegetarisch. Manchmal dann Fleisch, das meine Kriterien erfüllt. Aber selten.
    Geheimnisvoll umwölkendes Apfelmus ist übrigens eine Tip-Top-Formulierung. Ich ziehe meinen imaginären Hut!

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    1. Japp, ich sehe das ähnlich. Wobei sich die Haltung der Tiere, genau durch kritische und informierte Kunden stark verbessert hat: Bei Rewe gibt es nun Fleisch aus der Region mit Haltungszertifikat aus der Umgebung z.b.. Im Gegenzug muss man halt aber auch bereit sein, mehr für Fleisch zu bezahlen und da hapert es bei Vielen, was dann zu einer abgedrehten Doppelmoral führt.Die Alternative, weniger Fleisch zu essen, ist legitim. Ich mag generell ja alle Essweisen, solange sie nicht religionsartig dogmatisch sind:).Oh ,danke für das Hutziehen. Ich mag Apfelmus:)

      Wren

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