Samstag, 21. Mai 2016

Vom kleinen Kohlrabi

Unschwer ist an meinen letzten Posts zu erkennen, dass ich das Gärtnern für mich entdeckt habe, im Speziellen: Das kulinarische Gärtnern, welches, wie ich finde, zumindest einen Hauch von Selbstversorgertum mit sich bringt. Ausleben tue ich diesen Hauch im entsprechend kleinen Rahmen auf unseren Balkon, der nun nicht sehr groß, jedoch für den Anfang völlig ausreichend ist, denn ich bringe keinerlei Erfahrung in der Landpflanzenkultivierung mit.
Es steht ,und wächst auch hoffentlich bald, nun schon allerhand auf den 5 Quadratmetern und auch einige Freunde haben das junge Gemüse (und Obst ) schon bewundert.
Einer dieser Freunde meinte, nach eingehender Betrachtung der 
einzelnen Kohl und Salatsorten:

" Ist ja hübsch, aber da pflegst du nun den ganzen Sommer und erntest letzten Endes EINEN Kohlrabi, das ist doch viel zu viel Aufwand, kauf den doch im Laden"

Ich muss sagen, vom ökonomischen Standpunkt aus hat dieser Freund völlig recht: Ein Kohlrabi wird mich und FREUND wohl kaum über den Winter bringen. Ich mache mir dahingehend auch keine Illusionen, denn zum WIRKLICHEN Selbstversorgertum gehören mindestens 130qm Fläche pro Person und viel, sehr viel Zeit.

Worum geht es mir aber, wenn nicht um den reinen Versorgeraspekt?

Ich erkläre das mal so:

Wenn ich in den Laden gehe und einen Kohlrabi kaufen möchte, liegt er bereits da. Er ist geerntet und fertig zum mitnehmen. Ich kann ihn sofort kaufen, schälen und essen, ratzefatze und ohne Aufwand.

Will ich jetzt einen Kohlrabi selber ernten, so muss ich zunächst Saatgut kaufen, dieses in eine gute Erde pflanzen und den Keimling täglich gießen. Wenn der Kohlrabi irgendwann bereit zum Ernten ist, habe ich ihn über viele Wochen gepflegt, gegossen, gedüngt, ihn vor Schnecken, Blattläusen und Witterung beschützt und beobachtet wie er langsam vom Keimling zur fertigen Pflanze wurde. Es ist also ganz schön viel Zeit ins Land gestrichen.

Und das ist der Punkt: Zeit.

Alle reden davon , wie hektisch alles ist, wie gestresst sie sind. Alle reden von Meditation, Zen und Achtsamkeitstraining.

All dieses kann der kleine Kohlrabi sein:
Die Pflanze  ist nicht innerhalb von 2 Stunden erntereif, sie braucht ihre Zeit und wächst so schnell wie sie eben wächst. Wir als Menschen müssen uns diesem Tempo ergeben und entschleunigen so für die Zeit im Garten unseren Alltag. Vom kleinen Kohlrabi können wir lernen, dass Dinge Zeit brauchen um "reif" zu werden, eine Erkenntnis die wir anderswo kaum noch bekommen.
Der kleine Kohlrabi fordert auch unsere Aufmerksamkeit und lehrt uns, genau hinzuschauen wie es ihm geht und auf Kleinigkeiten zu achten.
Ich bin  überrascht wie viel sich täglich in meinem kleinen Balkongarten tut: Jeden Tag finde ich eine neue Blüte, ein neues Blatt oder eine Ranke die sich ein Stück das Gitter hochgezogen hat. Und ganz ehrlich? Es tut unglaublich gut, auf dem Balkon zu sitzen und von wachsendem Leben umgeben zu sein.

Ja, ich ernte vielleicht nur einen Kohlrabi, aber ich habe diesen einen Kohlrabi vom Samenkorn bis zur Knolle begleitet und viel dabei gelernt und wenn ich ihn esse, dann mit dem vollen Bewusstsein, was es braucht an Zeit und Sorgfalt und Pflege, bis ein solches Pflänzchen auf dem Teller liegt.
 Denn dieses Bewusstsein  geht in der heutigen Zeit des Überflusses doch sehr schnell verloren, oder was meinst du?


Mach es dir schön!
Wren










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